Vor 10 Jahren: Wattenscheider Polizisten installieren das Benefiz-Fußball-Turnier
Bürgernähe und Ordnungspartnerschaft "aus freien Stücken"
Von Uwe Danz (Polizei Wattenscheid)
In den Neunziger Jahren hatte die bürgernah-orientierte Polizeiarbeit ihren Höhepunkt. Damals wollten einige Polizeibeamte der Dienstgruppe -A- ganz offensiv Bürgernähe praktizieren. Und mit Einverständnis des damaligen PI-Leiters Ingolf Schween entstand eine Aktion, die, trotz wandelnder Vorzeichen, bis heute ihre Zielsetzung behalten hat.
Eine bürgerorientierte Polizei sollte von sich aus auf die Mitmenschen zugehen und sich ihnen stellen. Die Diskussion innerhalb der Dienstgruppe ergab eine entsprechende Aktion: über den rein dienstlichen Rahmen hinaus wollten die Beteiligten auf die Wattenscheider Bürgerinnen und Bürger zugehen und sich vorstellen. Und schon war die Idee geboren, ein Fußball-Benefiz-Turnier zu veranstalten; denn Fußball ist und war schon immer ein gemeinsamer Nenner, ganz besonders in der Heimat der SG 09. Eine ganz andere Art von polizeilicher Öffentlichkeitsarbeit war damit geboren.
Das erste Turnier unter Schirmherrschaft unseres "Chefs" fand am 21.6.1997 auf der Sportanlage Berliner Str. statt; im kleinen Kreis mit "nur" 6 Mannschaften und lediglich 20 Helfern aus den polizeieigenen Reihen. Als Programmpunkt dabei: Darstellung der "Polizei-Technik", vom einfachen Streifenwagen über Pferde- und Hundestaffel bis hin zu Wasserwerfer und Panzerwagen. Trotzdem gelang mit dem ersten Versuch gleich ein schönes Ergebnis von 3.500,- DM zugunsten des Kindergarten WAT in Gambia. Und noch et-was gelang: die "Kollegen" der Feuerwache 1 (Wattenscheid) waren nicht nur mit Begeisterung auf dem Spielfeld aktiv, sondern erklärten sich noch am gleichen Abend bereit, bei einer eventuellen Neuauflage einer solchen Veranstaltung mitzuhelfen.
Noch am selben Abend war deshalb der Entschluss klar: auch 1998 sollte es wieder ein Benefiz-Turnier geben. In den folgenden Vorbereitungsgesprächen konnten die Organisatoren von Polizei & Feuerwehr zwar auf die ersten Erfahrungen zurückgreifen, aber es entstand auch eine Reihe von neuen Ideen. Mehr Mannschaften, mehr Programmpunkte, professionelles Entertaintment, natürlich mit einer größeren Schar freiwilliger Helfer. Die Belohnung ließ nicht auf sich warten:
Das Jahr später, der 8.8.98, wird allen Beteiligten sicher in lebendiger Erinnerung bleiben. Super-Wetter über den ganzen Tag, mehrere tausend Zuschauer, Grillwürstchen, Gulaschsuppe, Getränkenachfrage ohne Ende, und ein gelungener Turnierabschluß mit der Wattenscheider Live-Band "Drinkin' Ovations". Den beiden Begünstigten dieses Turniers, dem Eisenbahnmuseum BO-Dahlhausen und der Aufsuchenden Gesundheitsfürsorge, konnten sage und schreibe über 13.000,- DM übergeben werden. Außerdem kam es zu einer gemeinsamen Spendensammlung (1.000,- DM) für den bei der EM 98 in Frankreich durch deutsche Hooligans schwer verletzten Gendarmen Daniel Nivel.
Gleichzeitig mit der auch in der Politik aufkommenden Suche nach gemeinsamen "Ordnungspartnerschaften" hatte sich für den Wattenscheider Bereich ohne "Vorgabe von oben" eine wirklich gelebte Partnerschaft der Sicherheitsbehörden ergeben; die positiven Wirkungen ließen auch im täglichen Dienst nicht lange auf sich warten.
Das positive Ergebnis summierte sich mit der sehr guten Zusammenarbeit innerhalb der beiden Organisationen zu einem schnellen Entschluss: das 3. Benefiz-Turnier 1999 sollte stattfinden. Bei der groben Planung wurde der Gedanke der "Partner für Sicherheit in Wattenscheid" konkret weitergestrickt: Das THW Bochum stellte sich mit sei-nem 1. Technischen Zug, zugleich "Pate" für den Stadtbezirk Wattenscheid, als Partner zur Verfügung (Darstellung in Form einer Katastrophenübung, Mithilfe bei Kinderspielen und Logistik); das DRK Wattenscheid wurde aufgrund der guten Mitarbeit sofort in die Vorbereitung involviert. Mit dem Landtagsabgeordneten Heinz Wirtz, zwischenzeitlich auch Chef der Bochumer SPD, stellte sich ein "Lokal-Matador" als Schirmherr zur Verfügung. Mit 20 teilnehmenden Teams war der Rasenplatz bis auf den letzten Quadratzentimeter ausgenutzt, Spritzwand, Hüpfburg & Eismann für die Kinder, Grillsteaks und ein kühles Blondes für die Erwachsenen, abgerundet von Kaffee und Kuchen und wiederum Livemusik zum Abschluss bis in den späten Abend. Wieder ein volles Programm, das nur durch die engagierte, ehrenamtliche Mitarbeit der "Sicherheitspartner" und der Unterstüt-zung aus der örtlichen Wirtschaft bewältigt werden konnte.
Natürlich, weil ganz einfach Sinn & Hintergrund dieser Aktion, stellten sich Polizei & Feuerwehr den Besuchern mit massiver Präsenz, quasi zum Anfassen, zur Verfügung. Vom "Normal-Uniformierten" bis hin zu Kradfahrer, Dienstpferde, Mobilwache; das Gleiche galt für die "Blauröcke", die sich in ähnlicher Weise der Öffentlichkeit präsentieren konnten.
In der Zwischenzeit gab es zwar einen Wechsel in der Inspektionsleitung (POR P. von Prondzinski), aber auch der "neue Chef" unterstützte die besondere Art der bürgernahen Arbeit.
Allerdings zogen sich ab 2002 die Behörden aus dieser Veranstaltung zu-rück, weil Personal und Finanzmittel keinen Spielraum mehr zuließen. Gleichwohl blieben alle handelnden Menschen aus diesen Organisationen im wahrsten Sinne des Wortes am Ball. Das Turnier wurde unter dem Dach einer "privaten Veranstaltergemeinschaft" fortgesetzt. Hinzu gesellten sich seit diesem Zeitpunkt auch weitere Wattenscheider Bürger und Institutionen, die dem Gedanken des Gemeinwohls auch außerhalb der Sicherheitspartner folgen wollten.
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Zum letzten Mal:
"Ihre Sicherheitspartner
in Wattenscheid"
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2002 mit einem Erlös von
6.000,-
(je 500 für die zwölf Fördervereine der Wattenscheider Grundschulen)
Damit entstand am 2.11.2004 ein gemeinnütziger Verein mit dem richtungweisenden Namen "Wattenscheider für Wattenscheid e. V." Selbstverständlich besteht der Vor-stand aus Polizisten, Feuerwehr- und DRK-Leuten.
Gleichzeitig konnte der Wattenscheider Lions-Club als Schirmherr gewonnen werden, der den jungen Verein natürlich auch, aber nicht nur, tatkräftig mit seiner Erfahrung unterstützt.
Mit der Abrechnung der 8. Benefiz-Veranstaltung wurde die Erlös-Summe von 50.000,- (!) Euro überschritten, die überwiegend Wattenscheider Einrichtungen zur Unterstützung ihrer ehrenamtlichen Arbeit zugute kam. Neben der Zielrichtung bürgerorientierten Dienstes waren sich alle über die Notwendigkeit einer finanziellen Unterstützung von Randgruppen aus dem dienstlichen Alltag heraus einig.
Auch auf weiteren "Spielplätzen" setzte sich der Benefiz-Gedanke fort: So arrangierte Charivari-Chef Manfred Ortmann das erste Benefiz-Konzert zugunsten der "Watten-scheider" im Februar 2005. Bei dieser Veranstaltung konnte nicht nur er als Vereinsmitglied aufgenommen werden, inzwischen haben sich über 70 Leute unter dem Dach "Wattenscheider für Wattenscheid" eingefunden; übrigens kommt das entfern-teste Mitglied nicht aus Itzehoe, sondern aus Charleville in Australien, wo ein ehemaliger Wattenscheider über das Internet Kontakte zur alten Heimat knöpfte.
Am 20. August 2005 startete das Turnier in fast unverändertem Bild bereits zum 9. Mal. Nach der Vereinsgründung und den damit verbundenen Aktivitäten war auch die Terminierung ein schwieriger Punkt der Vorbereitung. Nachdem der erste Termin (Ferienbeginn 9.7.) wegen "BO-Total" gekippt wurde, stellte sich heraus, dass das Ferienende (mit Rücksicht auf den Meisterschaftsbetrieb auf der Dickebank) am 20.8. genauso mit vielen "Events" in der Nachbarschaft überladen war; zu allem Überfluss setzte der DFB ganz kurzfristig das Pokal-Spiel der SG 09 gegen die Erstligamannschaft von Werder Bremen an.
Doch trotz aller dieser Unwägbarkeiten konnten sich die Begünstigten, das Blaue Kreuz Wattenscheid und das Projekt Streetwork Bochum (das Heim der Eppendorfer Jugendlichen war kurz vorher ausgebrannt) über einen Erlös von 3.000,- freuen.
Heute sind alle Aktiven in Gedanken bereits im WM-Jahr 2006, denn dann sich soll das 10. Benefiz-Turnier als Jubiläum in ein Wattenscheider Highlight verwandeln.
Schön wär's, wenn zumindest zu dieser Festveranstaltung die damaligen "Behörden" nochmals zusammenfinden könnten, um die eigentliche Ursprungs-Idee nach außen zu tragen - Polizei, Feuerwehr, DRK und THW als Teil von Wattenscheid und für deren Bürger! Vielleicht kämen dann nochmals solche Bilder von freundlichen Besuchern bei uns Uniformierten zustande.
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